Rezension: Sherlock Holmes – Das Geheimnis der Mumie

Was käme wohl heraus, wenn Google Street View ein Point-and-Click-Adventure mit dem bekanntesten Baker-Street-Bewohner in der Hauptrolle wäre? Diese Frage stellte sich das ukrainische Entwicklerstudio Frogwares zwar mit Sicherheit nicht, als sie 2002 „Sherlock Holmes: Das Geheimnis der Mumie“ schufen – denn damals gab es Street View noch gar nicht. Doch heute, zwanzig Jahre später, drängt sich der Vergleich durchaus auf.

In „Das Geheimnis der Mumie“, welches keine 5 Stunden andauert, manövrieren wir Meisterdetektiv Holmes durch ein Herrenhaus, um den seltsamen Tod von dessen ägyptophilen Besitzer zu untersuchen. Die rätsel- und fallengespickten Bibliotheken, Ausstellungsräume und Kellergewölbe des Hauses werden uns dabei als feste 360°-Grad-Ansichten präsentiert, an denen man sich umsehen, per Mausklick mit Objekten interagieren und zu anderen Punkten springen kann. Die Umgebungen sind detailreich gestaltet, ihre Texturen dagegen … sagen wir es so: Minecraft wirkt im Vergleich gestochen scharf.

Auch die Cutscenes sind schlecht gealtert, die Dialoge (immerhin auf Deutsch verfügbar) wirken hölzern und überspitzt, was nicht gerade zu Atmosphäre und Plot beiträgt. Letzterer hat einige interessante Ansätze zu bieten, wird in der letzten Cutscene jedoch in einem Sperrfeuer an verwirrenden Informationen abgehandelt.

Der wichtigste Teil eines Sherlock-Holmes-Spiel aber sind die Rätsel. Rätsel Nr. 1 ist hier, das Spiel erstmal zum Laufen zu kriegen. Hat man Auflösung und herumirrenden Mauszeiger dank Online-Guides gebändigt, fängt der eigentliche „Spaß“ an: das mühevolle Absuchen der Kulissen nach (teils winzigen) Objekten, die dann in Holmes‘ Koffer wandern, kombiniert und in der Spielwelt zum Einsatz gebracht werden müssen. Hin und wieder gibt es spannendere Knobeleien, insgesamt bietet „Das Geheimnis der Mumie“ jedoch zu wenig, um einen Kauf zu rechtfertigen.

Das dachten sich wohl auch die Entwickler: inzwischen bieten sie das Spiel kostenlos auf Steam an. Außerdem führte dieser durchwachsene Auftakt zu einer Reihe deutlich besserer (und hier bald kritisierter) Nachfolger.

(zuerst am 26. März 2022 auf Instagram veröffentlicht)

Bewertung:
2/5

Neueste Beiträge

Rezension: Das Bildnis des Dorian Gray (Film von 2009)

Filmadaptionen sind eine Herausforderung. Soll man der Vorlage sklavisch folgen? Oder Anpassungen vornehmen? Die Verfilmung von „Das Bildnis des Dorian Gray“ tut beides – und erweist sich weder als werksgetreue Umsetzung von Oscar Wildes Klassiker noch als spannende Neuinterpretation.

Weiterlesen »

Rezension: Heldenpicknick – Oder: Warum funktionieren Actual-Play-Podcasts?

Interaktivität, Auswürfeln, soziales Zusammenkommen – all diese Aspekte fallen weg, wenn man Pen & Paper ins Podcast-Format überträgt. Die Rezipierenden werden in eine passive Rolle zurückgedrängt. Warum solche Actual Plays trotzdem funktionieren, zeige ich am Beispiel des „Heldenpicknicks“, einem P&P-Podcast in der Fantasy-Welt des „Schwarzen Auges“.

Weiterlesen »

Rezension: Tomb Raider Underworld

„Underworld“ kündigte sich in seinem Teaser-Trailer mit einem Knall an: Untermalt von Mozarts „Lacrimosa“ zerfetzt eine Explosion die Croft-Villa, Heimstatt und Missionsbasis unserer Heldin Lara. Doch aufgrund enttäuschender Verkaufszahlen sollte die Hauptreihe im Anschluss fünf Jahre ruhen. Versteckt sich hinter „Underworld“ ein verschmähtes Meisterwerk?

Weiterlesen »

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

Schreibe einen Kommentar