Rezension: Die letzte Legion

Wie sehr uns ein Film gefällt, hängt oft gar nicht so sehr von dessen „objektiver Qualität“ ab. Viel eher liegt es an unseren Erwartungen, die vom Film erfüllt oder enttäuscht werden.

Als ich „Die letzte Legion“ startete, einen Historienfilm aus dem Jahre 2007, glaubte ich, ein Sandalen-Epos vor mir zu haben, das auf der Erfolgswelle von „Gladiator“, „Troja“ und „300“ ritt. Ein Irrtum – denn in Wirklichkeit ist der Film mehr „Fluch der Karibik“ als „Gladiator“, mehr „Maske des Zorro“ denn „300“.

Worum aber geht es? Im 5. Jahrhundert n. Chr. hat das römische Reich seinen Zenit längst überschritten. Mit Romulus Augustulus (gespielt von Thomas Sangster-Brodie, bekannt aus „Maze Runner“) sitzt ein Kind auf dem Kaiserthron, und gotische Kriegerhorden drohen die alte Ordnung aus den Fugen zu reißen.

Was nach Historiendrama klingt, nach dem einfühlsamen Porträt eines zum Scheitern verurteilten Kindskaiser, ist so ziemlich das genaue Gegenteil. Das historische Setting stellt in „Die letzte Legion“ lediglich die Bühne für ein locker-leichtes Abenteuer voll legendärer Artefakte, tölpelhaft-finsterer Schurken und archetypischer Figuren, das den jungen Kaiser und seine Beschützer durch das halbe Imperium scheucht.

Historische Akkuratesse braucht man hier nicht zu suchen: Fragile Schwertklingen blocken Kriegshämmer, mittelalterliche Burgen pflastern die Landschaft, die Heldentruppe benutzt antike Versionen von Bond-Gadgets. Dabei blutet das Herz des Geschichtsliebhabers – oder amüsiert sich köstlich.

Als abendliche Popcorn-Unterhaltung dient der Film erstaunlich gut. Ben Kingsley kann dabei als archetypischer Mentor mit Gewitztheit und Grandezza punkten. Die Setpieces sind liebevoll gestaltet, die Action-Szenen überzogen und unblutig. Abstriche machen muss man beim äußerst schwülstigen Soundtrack und bei Colin Firth, der Romulus‘ Legionärs-Leibwächter recht unmotiviert spielt.

Und das Ende … sagen wir es so: Selten fand ich den Abgang eines Filmes so überraschend, witzig, und köstlich hirnrissig zugleich.

(zuerst am 3. April 2022 auf Instagram veröffentlicht)

Bewertung:
3/5

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